Agroforst auf dem Weg in die Praxis

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Bericht von einem inspirierenden Planungsworkshop in Struppen

„Es braucht mehr Bäume auf den Äckern“ stellt das Land Sachsen in einer aktuellen Publikation zu den Herausforderungen des Klimawandels fest.

Um herauszufinden wie das genau aussehen kann, trafen sich etwa 20 Menschen für zwei Tage auf dem Schellehof bei Dresden für einen spannenden Agroforst-Planungsworkshop. Mit dabei waren Bäuer*innen, landwirtschaftliche Berater*innen, Student*innen, Permakulturdesigner*innen und Mitglieder*innen einer Solidarischen Landwirtschaft.

Freitag Abend gelang es Burkhard Kaiser von der Agroforstkampagne mit einem anschaulichen Vortrag alle Anwesenden für das Thema zu begeistern. Zugleich zeigte er neben den Potentialen aber auch Herausforderungen auf.

 

Landwirtschaft und Bäume?

Mit der Durchsetzung der industriellen Landwirtschaft wurden bis in die 80er Jahre hinein unsere Agrarlandschaften ausgeräumt. Teilweise wurden von staatlicher Seite sogar Prämien für die Rodung von Gehölzen gezahlt. Viele Landwirte scheinen Bäume immer noch vor allem als störende und nutzlose Elemente auf dem Acker wahrzunehmen. Umso erfreulicher war es, dass auf dem Workshop auch mehrere Landwirte anwesend waren, die sich sehr offen und interessiert für die Integration von Agroforstelementen auf ihren Äckern zeigten. Allerdings wurde immer wieder deutlich, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen solchen Pionieren die Arbeit erschweren. Häufig scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Baumreihen von Agroforstflächen aus den Förderungsanträgen komplett heraus zu nehmen, obwohl es bereits zahlreiche Studien gibt, welche deren vielfältige ökologische Funktionen aufzeigen und belegen und dass so die Flächenproduktivität erheblich gesteigert werden kann. Es ist jedoch zu erwarten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis der Vorsatz, mehr Bäume auf den Acker zu bringen auch in der deutschen Gesetzgebung angemessen umgesetzt wird – zumal dies neben den USA, auch die Politik in unseren Nachbarländern Frankreich und Großbritannien seit einigen Jahren verstanden hat und Agroforstsysteme konsequent fördert.

 

Im Angesicht des Nichts

Bei einer spannenden Führung über den vielseitigen Schellehof kommen wir an beweideten grünen Hängen vorbei. Sie sind eingesäumt von alten Kirschbäumen und einem Wäldchen. Weiter oben bewundern wir ein produktives und vielseitiges Gemüsefeld und plötzlich wird der kalte Wind stärker und wir betreten das Nichts: Erst am Horizont in weiter Ferne können wir einen Waldrand erahnen, davor eine völlig ausgeräumte Landschaft, von Wind und Wasser erodiert.

Der Bauer Andre Erhardt teilt uns mit, dass es auf dieser Fläche immer zwei Grad kälter ist als im Tal. Eigentlich ungewöhnlich, da man ja annehmen sollte, dass Kaltluft ins Tal abfließt. Aber der erfahrene Permakultur-Designer Robert Strauch erklärt uns, dass gerade Bäume eine wichtige Wärme-, Wasserspeicher- sowie Pufferfunktion übernehmen. Diese könnte in solch ausgeräumten Landschaften durch das Anlegen von Agroforstsystemen wieder hergestellt werden.

 

Der Hoforganismus wird aufgebäumt

Im Laufe des Seminars wurde auch deutlich, dass der Klimawandel bei weitem nicht der einzige Grund für Bäume auf dem Acker ist: „Inspirierend wieviele positive Effekte Agroforstwirtschaft in unserer Landwirtschaft entfalten kann“, so eine Teilnehmerin. Dies wird besonders deutlich als wir gemeinsam die Prioritäten des Designs sammeln: Biomasse für Heizenergie und Kompostierung, Windschutz, Verringerung der Wassererosion, Förderung von Biodiversität und Nützlingen, Bodenverbesserung, Obst für SoLaWi, Bauholz und Wertholz. Situationsabhängig könnte diese Liste sicherlich ganz anders aussehen.

Anschließend versuchten wir all diese Punkte in ein harmonisches Gesamtdesign zu überführen. Dabei gilt es auch praktische arbeitstechnische Bedingungen des Betriebes zu berücksichtigen, wie die Gerätearbeitsbreiten sowie optimale Arbeitslängen der Gemüse- und ackerbaulichen Flächen. Befruchtet durch kurze Inputs aus dem reichen Erfahrungsschatz des Referenten Burkhard Kayser entsteht eine rege Diskussion über die Vor- und Nachteile verschiedener Systeme.

 

Am Ende sagt Olef Koch (Naturschutz-Student aus Eberswalde): „Nachdem ich mich schon viel mit der Theorie um Agroforst beschäftigt habe, war es spannend sich gemeinsam in die praktischen Details der Umsetzung einzuarbeiten!“

„Ich habe einen guten Überblick darüber bekommen was Agroforstsysteme sind und was sie nicht sind. Und wie flexibel dieses System an die Bedingungen unterschiedlicher Betriebe angepasst werden kann.“, sagt eine andere Teilnehmerin, die sich bereits auf den Pflanzeinsatz zur Umsetzung des Systems im nächsten Frühjahr freut.

 

In den nächsten Jahren werden solche Workshops wohl häufiger stattfinden, verspricht Robert von der Agroforstkampagne. Dafür suchen wir noch weitere Landwirt*innen, die sich für Agroforstsysteme interessieren.