Reise zur europäischen Agroforstkonferenz in Frankreich, Montpellier im Mai 2016

Vom 23. bis zum 25. Mai fand in Montpellier die dritte europaweite Agroforstkonferenz statt. Mit dabei waren wir mit einer fünfköpfigen Gruppe der „Agroforstkampagne“ um uns zu vernetzten und uns weiterzubilden. Dies wurde durch das project support project von PKI und PKA ermöglicht.


Die inhaltlichen Inputs reichten von neuesten Forschungsergebnissen zu Detailfragen der Agroforstwirtschaft, wie Wurzelwachstum oder Holzqualität, über „Agroferestry and climate change“ bis zum Austausch über die politischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern, und wie darauf Einfluss genommen werden kann. Der zweite Tag der dreitägigen Konferenz bestand aus Exkursionen zu verschiedenen Agroforstfeldern.

Netzwerke
Für den „Part“ persönliche Vernetzung waren jeweils die Abende gedacht, an denen einiges aufgefahren wurde. So lernte man sich beim Gala-Dinner im Schloss Recantclaire kennen – und wir stellten fest, dass wir bei weitem nicht die einzigen waren, die den Weg aus dem deutschsprachigen Raum nach Montpellier gefunden hatten. Sowohl Professor_innen von Forst- und Landwirtschaftlichen Fakultäten waren anwesend als auch Landwirtschaftsberater_innen, Student_innen und Praktiker_innen. So konnten wir die Möglichkeit nutzen unsere Kampagne bekannter zu machen, und selber zu erfahren, was sonst schon alles läuft. Wir initiierten ein deutschsprachiges Treffen in einer Mittagspause und es wurde beschlossen in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen und zu koordinieren. Interessant war es Akteure des Projektes „AUFWERTEN“ kennenzulernen, die uns leider mit etwas Skepsis begegneten. (http://agroforst-info.de/innovationsgruppe-aufwerten/) Die Akteure der deutschen Agroforstwissenschaft treffen sich Ende November in Brieske im südbrandenburgischen Elbe-Elster Kreis. Wir wollen uns dort einbringen, denn das erscheint uns sehr wichtig um die Synergieeffekte zu nutzen und sich nicht doppelte Arbeit zu machen. Obwohl es mannigfaltige Initiativen von Seiten verschiedener Universitäten in Deutschland gibt, stecken die Umsetzungen von Agroforstwirtschaft noch weitestgehend in den Kinderschuhen, verglichen mit Frankreich oder dem englischsprachigen Raum. Leider sind in Deutschland derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend an europäische Möglichkeiten angepasst, sodaß zumeist nur sogenannte Kurzumtriebsplantagen als Landwirtschaft anerkannt sind. Kup`s, wie sie auch genannt werden, sind zumeist flächige oder streifenweise gepflanzte Kulturen von schnellwachsenden Gehölzen, wie Pappeln oder Weiden, die nach 3-10 Jahren gerodet und als Brennstoff genutzt werden.


from Permaculture to Agroforestry
Demgegenüber können Agrofortsysteme aber auch weitaus komplexer gestaltet werden.
Beim Eröffnungsvortrag von Marc Sheperd unter dem Titel „From Permaculture to Agroforestry“ wurde gerade dies herausgearbeitet, denn auf der einen Seite können so Permakultursysteme viel großflächiger gedacht und als Lösungskonzept für drängende Weltprobleme angesehen werden. Auf der anderen Seite aber bleiben Agroforstsysteme, wie sie heute umgesetzt und erforscht werden in der Komplexität und Diversität weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Marc zeigt mit seinem „restoration Agriculture“ genannten Konzept, das komplexe Agroforstsysteme von den Landwirten auch mehr Fähigkeiten verlangen. Sie müssen sich quasie zu Ökosystemmanagern weiterbilden. Im Ergebnis führt das dann zu einer Landwirtschaft, die den Herausvorderungen des Klimawandels und der Zerstörung der Böden gewachsen ist. Aus unserer ganzheitlichen Sicht als Permakulturgestalter war es sehr erfreulich, das jemand wie Marc den Eröffnungsvortrag hielt, denn über weite Strecken waren die Vorträge der Konferenz durch statistische Auswertungen, Zahlenspiele und Detailfragen bestimmt.


Praktiker zeigen was gehen kann
Sehr interessant und erfreulich war auch der sog. runde Tisch der Praktiker am letzten Konferenztag. Hier zeigten Landwirte aus unterschiedlichen Teilen Frankreichs wie vielfältig Agroforstwirtschaft sein kann. Besonders spannend fand ich ein Projekt aus dem Larzac, einer trockenen Buschlandschaft. Hier wurde Landschaftpflege nach dem System von Jean Pain, der hierzulande durch die Biomeiler bekannt wurde, mit Schweinemast verknüpft. Die Hackschnitzel der geschredderten Büsche wurden mit Käfern besiedelt, deren riesige Larven dann von Schweinen gefressen werden können. Das Endprodukt ist aber nicht nur Fleisch sondern auch guter Kompost.


Frankreich als europäischer Vorreiter
In Frankreich ist Agroforstwirtschaft mittlerweile eine anerkannte Methode, die auch staatlich gefördert wird. Das zeigte auch der Auftritt des Agrarministers am Eröffnungstag. Dadurch kann sich eine Vielzahl von Anwendungen in der Arbeit mit Gehölzen entwickeln, die hierzulande noch ihresgleichen sucht. Das zu ändern ist das Ziel der Agroforstkampagne. Hier muss noch viel erreicht werden, damit Landwirte nicht nur aus idealistischen Gründen wieder Bäume in ihre Kulturen integrieren. Es braucht Kampagnenarbeit auf mehreren Feldern, politisch um die Rahmenbedingungen zu verbessern, kommunikativ um das Thema bekannt zu machen, wirtschaftlich um ethisches Investment in Baumpflanzungen zu lenken und natürlich ganz praktisch durch öffentliche Pflanzaktionen und gelungene Umsetzungen.

Und abschließend noch der link Konferenzwebseite und zum book of abstracts, in dem alle Beiträge zur Konferenz zusammengefasst sind, für alle die sich tiefer in dieses spannende Thema einlesen wollen.
http://www.agroforestry.eu/conferences/III_EURAFConference#Programme

Florian Hurtig und Robert Strauch