Pflanzt Bäume auf Weiden und Äcker!

Vielerorts werden die ökologischen und ökonomischen Vorteile agroforstwirtschaftlicher Systeme erforscht – das Potenzial für die Bodenverbesserung, die Erhöhung der Artenvielfalt und als Kohlenstoffsenke ist immens. Jochen Schilk beschreibt in einem Oya-Artikel die derzeitigen Widersprüche zwischen Land- und Forstwirtschaft sowie deren Überwindung durch die vielfältige Kombination beider Landnutzungsformen.

Der Artikel erschien in gekürzter Fassung erstmals in Ausgabe 47 vom März 2018 in der Zeitschrift »Oya – enkeltauglich leben«. Die vollständige Version finden Sie hier (PDF).

Masterstudiengang in Agroforstwirtschaft

Die Prifysgol Bangor University (Wales) bietet einen einjährigen Masterstudiengang für Agroforstwirtschaft an (Agroforestry MSc). Die Studierenden lernen, wie Bäume, Menschen und Landwirtschaft in nachhaltig bewirtschafteten Landwirtschaftsbetrieben, Wäldern und Landschaften miteinander kombiniert werden können.
Die Agroforstwirtschaft gelangt beim Management natürlicher Ressourcen international zunehmend in den Fokus. Bangor ist weltweit führend in der Agroforstwirtschaft und besitzt eine fantastische Reputation für seine Forschungsaktivitäten in diesem Bereich. Die Universität arbeitet dabei mit internationalen Organisationen wie dem Tropical Agricultural Research and Higher Education Center, Costa Rica (CATIE) und dem World Agroforestry Centre (ICRAF) zusammen.

Kyritzer Wintergespräche II – Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Klimabedingungen und ihrer Folgen auch für die lokale Landwirtschaft werden Forschungsergebnisse vorgestellt, wie Agroforstsysteme als Klimaschutz- und Anpassungsstrategie genutzt werden können. (Vorträge und Diskussion)

Veranstaltungsdatum:
Donnerstag, 15.03.2018
19:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Bluhm´s Hotel und Restaurant
Am Markt, Kyritz

Die Anmeldung und ausführliche Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.

Brief an alle Agrarminister der Bundesländer versendet!

Die Agroforstkampagne hat sich an einem Schreiben an die Agrarminister aller Bundesländer beteiligt, der Anfang Januar verschickt wurde. Zusammen mit der Innovationsgruppe AUFWERTEN und der AG AGROFORST fordern wir die Minister dazu auf, die Förderung von Agroforstwirtschaft im Rahmen der Agrarministerkonferenz auf die politische Agenda zu setzen und damit den Weg frei zu machen, das die in der gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) vorgeschlagenen Maßnahmen auch in Deutschland umgesetzt werden können. (PDF)

Pflanzaktion: HNEE-Studierende bringen den Wald zurück auf den Acker

Auf einer Agroforstfläche sollen im Rahmen eines Langzeitforschungs- und Modellprojekts Gehölze mit landwirtschaftlichen Kulturpflanzen kombiniert werden. Positive Effekte für den Wind- und Erosionsschutz sollen Landwirte langfristig überzeugen. Die nächste Baumpflanzaktion findet am 02./03. Dezember im Löwenberger Land statt (Anfahrtskizze). Wer mitmachen möchte, kann sich gern in den Kalender eintragen. Weitere Informationen findet gibt es hier.

Agroforst auf dem Weg in die Praxis

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Bericht von einem inspirierenden Planungsworkshop in Struppen

„Es braucht mehr Bäume auf den Äckern“ stellt das Land Sachsen in einer aktuellen Publikation zu den Herausforderungen des Klimawandels fest.

Um herauszufinden wie das genau aussehen kann, trafen sich etwa 20 Menschen für zwei Tage auf dem Schellehof bei Dresden für einen spannenden Agroforst-Planungsworkshop. Mit dabei waren Bäuer*innen, landwirtschaftliche Berater*innen, Student*innen, Permakulturdesigner*innen und Mitglieder*innen einer Solidarischen Landwirtschaft.

Freitag Abend gelang es Burkhard Kaiser von der Agroforstkampagne mit einem anschaulichen Vortrag alle Anwesenden für das Thema zu begeistern. Zugleich zeigte er neben den Potentialen aber auch Herausforderungen auf.

 

Landwirtschaft und Bäume?

Mit der Durchsetzung der industriellen Landwirtschaft wurden bis in die 80er Jahre hinein unsere Agrarlandschaften ausgeräumt. Teilweise wurden von staatlicher Seite sogar Prämien für die Rodung von Gehölzen gezahlt. Viele Landwirte scheinen Bäume immer noch vor allem als störende und nutzlose Elemente auf dem Acker wahrzunehmen. Umso erfreulicher war es, dass auf dem Workshop auch mehrere Landwirte anwesend waren, die sich sehr offen und interessiert für die Integration von Agroforstelementen auf ihren Äckern zeigten. Allerdings wurde immer wieder deutlich, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen solchen Pionieren die Arbeit erschweren. Häufig scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Baumreihen von Agroforstflächen aus den Förderungsanträgen komplett heraus zu nehmen, obwohl es bereits zahlreiche Studien gibt, welche deren vielfältige ökologische Funktionen aufzeigen und belegen und dass so die Flächenproduktivität erheblich gesteigert werden kann. Es ist jedoch zu erwarten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis der Vorsatz, mehr Bäume auf den Acker zu bringen auch in der deutschen Gesetzgebung angemessen umgesetzt wird – zumal dies neben den USA, auch die Politik in unseren Nachbarländern Frankreich und Großbritannien seit einigen Jahren verstanden hat und Agroforstsysteme konsequent fördert.

 

Im Angesicht des Nichts

Bei einer spannenden Führung über den vielseitigen Schellehof kommen wir an beweideten grünen Hängen vorbei. Sie sind eingesäumt von alten Kirschbäumen und einem Wäldchen. Weiter oben bewundern wir ein produktives und vielseitiges Gemüsefeld und plötzlich wird der kalte Wind stärker und wir betreten das Nichts: Erst am Horizont in weiter Ferne können wir einen Waldrand erahnen, davor eine völlig ausgeräumte Landschaft, von Wind und Wasser erodiert.

Der Bauer Andre Erhardt teilt uns mit, dass es auf dieser Fläche immer zwei Grad kälter ist als im Tal. Eigentlich ungewöhnlich, da man ja annehmen sollte, dass Kaltluft ins Tal abfließt. Aber der erfahrene Permakultur-Designer Robert Strauch erklärt uns, dass gerade Bäume eine wichtige Wärme-, Wasserspeicher- sowie Pufferfunktion übernehmen. Diese könnte in solch ausgeräumten Landschaften durch das Anlegen von Agroforstsystemen wieder hergestellt werden.

 

Der Hoforganismus wird aufgebäumt

Im Laufe des Seminars wurde auch deutlich, dass der Klimawandel bei weitem nicht der einzige Grund für Bäume auf dem Acker ist: „Inspirierend wieviele positive Effekte Agroforstwirtschaft in unserer Landwirtschaft entfalten kann“, so eine Teilnehmerin. Dies wird besonders deutlich als wir gemeinsam die Prioritäten des Designs sammeln: Biomasse für Heizenergie und Kompostierung, Windschutz, Verringerung der Wassererosion, Förderung von Biodiversität und Nützlingen, Bodenverbesserung, Obst für SoLaWi, Bauholz und Wertholz. Situationsabhängig könnte diese Liste sicherlich ganz anders aussehen.

Anschließend versuchten wir all diese Punkte in ein harmonisches Gesamtdesign zu überführen. Dabei gilt es auch praktische arbeitstechnische Bedingungen des Betriebes zu berücksichtigen, wie die Gerätearbeitsbreiten sowie optimale Arbeitslängen der Gemüse- und ackerbaulichen Flächen. Befruchtet durch kurze Inputs aus dem reichen Erfahrungsschatz des Referenten Burkhard Kayser entsteht eine rege Diskussion über die Vor- und Nachteile verschiedener Systeme.

 

Am Ende sagt Olef Koch (Naturschutz-Student aus Eberswalde): „Nachdem ich mich schon viel mit der Theorie um Agroforst beschäftigt habe, war es spannend sich gemeinsam in die praktischen Details der Umsetzung einzuarbeiten!“

„Ich habe einen guten Überblick darüber bekommen was Agroforstsysteme sind und was sie nicht sind. Und wie flexibel dieses System an die Bedingungen unterschiedlicher Betriebe angepasst werden kann.“, sagt eine andere Teilnehmerin, die sich bereits auf den Pflanzeinsatz zur Umsetzung des Systems im nächsten Frühjahr freut.

 

In den nächsten Jahren werden solche Workshops wohl häufiger stattfinden, verspricht Robert von der Agroforstkampagne. Dafür suchen wir noch weitere Landwirt*innen, die sich für Agroforstsysteme interessieren.

Pflanzaktion: Der "zukunftsFähig Acker" in der Uckermark, 17.-20. November 2016

Vom 17.-20. November 2016 findet die Pflanzaktion auf dem "zukunftsFähig Acker" in der Uckermark/ Gerswalde.


Es sollen Walnußbäume und Äpfel, und als Unterpflanzung Rhabarber und Lavendel gepflanzt werden.

Alle sind herzlich eingeladen, mit zu machen. Pflanzen, austauschen und Feiern!

Gewohnt werden kann in der Ferienwohnung vom Stein-Häger-Hof.

Am 19. Nov. gibt es die Möglichkeit, am Obstbaum-Schnittkurs von Annegert Brall teilzunehmen.

Reise zur europäischen Agroforstkonferenz in Frankreich, Montpellier im Mai 2016

Vom 23. bis zum 25. Mai fand in Montpellier die dritte europaweite Agroforstkonferenz statt. Mit dabei waren wir mit einer fünfköpfigen Gruppe der „Agroforstkampagne“ um uns zu vernetzten und uns weiterzubilden. Dies wurde durch das project support project von PKI und PKA ermöglicht.


Die inhaltlichen Inputs reichten von neuesten Forschungsergebnissen zu Detailfragen der Agroforstwirtschaft, wie Wurzelwachstum oder Holzqualität, über „Agroferestry and climate change“ bis zum Austausch über die politischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern, und wie darauf Einfluss genommen werden kann. Der zweite Tag der dreitägigen Konferenz bestand aus Exkursionen zu verschiedenen Agroforstfeldern.

Netzwerke
Für den „Part“ persönliche Vernetzung waren jeweils die Abende gedacht, an denen einiges aufgefahren wurde. So lernte man sich beim Gala-Dinner im Schloss Recantclaire kennen – und wir stellten fest, dass wir bei weitem nicht die einzigen waren, die den Weg aus dem deutschsprachigen Raum nach Montpellier gefunden hatten. Sowohl Professor_innen von Forst- und Landwirtschaftlichen Fakultäten waren anwesend als auch Landwirtschaftsberater_innen, Student_innen und Praktiker_innen. So konnten wir die Möglichkeit nutzen unsere Kampagne bekannter zu machen, und selber zu erfahren, was sonst schon alles läuft. Wir initiierten ein deutschsprachiges Treffen in einer Mittagspause und es wurde beschlossen in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen und zu koordinieren. Interessant war es Akteure des Projektes „AUFWERTEN“ kennenzulernen, die uns leider mit etwas Skepsis begegneten. (http://agroforst-info.de/innovationsgruppe-aufwerten/) Die Akteure der deutschen Agroforstwissenschaft treffen sich Ende November in Brieske im südbrandenburgischen Elbe-Elster Kreis. Wir wollen uns dort einbringen, denn das erscheint uns sehr wichtig um die Synergieeffekte zu nutzen und sich nicht doppelte Arbeit zu machen. Obwohl es mannigfaltige Initiativen von Seiten verschiedener Universitäten in Deutschland gibt, stecken die Umsetzungen von Agroforstwirtschaft noch weitestgehend in den Kinderschuhen, verglichen mit Frankreich oder dem englischsprachigen Raum. Leider sind in Deutschland derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend an europäische Möglichkeiten angepasst, sodaß zumeist nur sogenannte Kurzumtriebsplantagen als Landwirtschaft anerkannt sind. Kup`s, wie sie auch genannt werden, sind zumeist flächige oder streifenweise gepflanzte Kulturen von schnellwachsenden Gehölzen, wie Pappeln oder Weiden, die nach 3-10 Jahren gerodet und als Brennstoff genutzt werden.


from Permaculture to Agroforestry
Demgegenüber können Agrofortsysteme aber auch weitaus komplexer gestaltet werden.
Beim Eröffnungsvortrag von Marc Sheperd unter dem Titel „From Permaculture to Agroforestry“ wurde gerade dies herausgearbeitet, denn auf der einen Seite können so Permakultursysteme viel großflächiger gedacht und als Lösungskonzept für drängende Weltprobleme angesehen werden. Auf der anderen Seite aber bleiben Agroforstsysteme, wie sie heute umgesetzt und erforscht werden in der Komplexität und Diversität weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Marc zeigt mit seinem „restoration Agriculture“ genannten Konzept, das komplexe Agroforstsysteme von den Landwirten auch mehr Fähigkeiten verlangen. Sie müssen sich quasie zu Ökosystemmanagern weiterbilden. Im Ergebnis führt das dann zu einer Landwirtschaft, die den Herausvorderungen des Klimawandels und der Zerstörung der Böden gewachsen ist. Aus unserer ganzheitlichen Sicht als Permakulturgestalter war es sehr erfreulich, das jemand wie Marc den Eröffnungsvortrag hielt, denn über weite Strecken waren die Vorträge der Konferenz durch statistische Auswertungen, Zahlenspiele und Detailfragen bestimmt.


Praktiker zeigen was gehen kann
Sehr interessant und erfreulich war auch der sog. runde Tisch der Praktiker am letzten Konferenztag. Hier zeigten Landwirte aus unterschiedlichen Teilen Frankreichs wie vielfältig Agroforstwirtschaft sein kann. Besonders spannend fand ich ein Projekt aus dem Larzac, einer trockenen Buschlandschaft. Hier wurde Landschaftpflege nach dem System von Jean Pain, der hierzulande durch die Biomeiler bekannt wurde, mit Schweinemast verknüpft. Die Hackschnitzel der geschredderten Büsche wurden mit Käfern besiedelt, deren riesige Larven dann von Schweinen gefressen werden können. Das Endprodukt ist aber nicht nur Fleisch sondern auch guter Kompost.


Frankreich als europäischer Vorreiter
In Frankreich ist Agroforstwirtschaft mittlerweile eine anerkannte Methode, die auch staatlich gefördert wird. Das zeigte auch der Auftritt des Agrarministers am Eröffnungstag. Dadurch kann sich eine Vielzahl von Anwendungen in der Arbeit mit Gehölzen entwickeln, die hierzulande noch ihresgleichen sucht. Das zu ändern ist das Ziel der Agroforstkampagne. Hier muss noch viel erreicht werden, damit Landwirte nicht nur aus idealistischen Gründen wieder Bäume in ihre Kulturen integrieren. Es braucht Kampagnenarbeit auf mehreren Feldern, politisch um die Rahmenbedingungen zu verbessern, kommunikativ um das Thema bekannt zu machen, wirtschaftlich um ethisches Investment in Baumpflanzungen zu lenken und natürlich ganz praktisch durch öffentliche Pflanzaktionen und gelungene Umsetzungen.

Und abschließend noch der link Konferenzwebseite und zum book of abstracts, in dem alle Beiträge zur Konferenz zusammengefasst sind, für alle die sich tiefer in dieses spannende Thema einlesen wollen.
http://www.agroforestry.eu/conferences/III_EURAFConference#Programme

Florian Hurtig und Robert Strauch